michalis pichler & nikos zachariadis
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wettbewerbsbeitrag
BODY CHECK – Wie viel Körper braucht der Mensch?
3. Deutscher Studienpreis, 2001
“Die Reproduktionstechnik, so ließe sich allgemein formulieren, löst das Reproduzierte aus dem Bereich der Tradition ab. Indem sie die Reproduktion vervielfältigt, setzt sie an die Stelle seines einmaligen Vorkommens sein massenweises. Indem sie der Reproduktion erlaubt, dem Aufnehmenden in seiner jeweiligen Situation entgegenzukommen, aktualisiert sie das Reproduzierte. Diese beiden Prozesse führen zu einer gewaltigen Erschütterung des Tradierten – einer Erschütterung der Tradition, die die Kehrseite der gegenwärtigen Krise und Erneuerung der Menschheit ist.” Walter Benjamin
es ist das klonen, das uns aus der unmenge sich anbietender themen zur Rahmenfrage “wieviel Körper braucht der mensch?” am meisten interessierte. dabei beschäftigen uns probleme wie die frage nach der individualität und einzigartigkeit der person und der verlust der mütterlichkeit im herkömmlichen sinn und die kalte zeugung.
der mensch war von jeher und von natur als art biologisch reproduzierbar, so ist die biotechnologische reproduzierbarkeit des individuellen menschen ein wunsch- und alptraum der biotechnologie der gegenwart. dieser traum scheint nun realisierbar. das duplikative klonen wird von uns als mechanisierbare reproduzierung genetischen erbmaterials begriffen. es wirft sich jedoch die frage nach der biologischen konkretisierbarkeit des menschen als person auf (die eingangsfrage “wieviel körper braucht der mensch ?” stellt sich auf den kopf: “wieviel mensch braucht der körper?”).
in der duplikation ideell beinhaltet ist die massenproduktion, der nächstfolgende schritt ist die typisierung. die natürliche entstehung menschlichen lebens und das heranreifen des kleinen menschen bis zur geburt ist seit menschengedenken durch eine enge körperliche symbiose von mutter und kind gekennzeichnet. die monate im mutterleib und das einschneidende erlebnis der geburt stellen elementare erfahrungen für jeden menschen dar. im allgemeinen wird der schoß der mutter als ursprung des lebens begriffen, die geburt hingegen als hinausgeworfenwerden in die welt.
seit der erzeugung von retortenbabys entstehen menschen, die diese erfahrung nicht teilen; durch das klonen werden weitere gravierende änderungen auch in diesem bereich denkbar – durch die duplikation eines mannes beispielsweise entfällt die mutter auch genetisch, und für die zukunft sind gar modelle multipler elternschaft denkbar.
